Rosa bekommt Besuch vom Gemeindearchivar – und die Big Band ist auch mit dabei

von | 13,09,2026 | Allgemein, RoSa Veranstaltung | 0 Kommentare

(Gerhard Diehl)

Der Tag des offenen Denkmals liegt nun schon eine ganze Weile zurück. Aber was machen ein paar Wochen, wenn es bei diesem Anlass im September um 130 Jahre Fiege‘scher Saal in Rosdorf ging? So mancher im Publikum wird wohl vorher gerätselt haben, was passiert, wenn der bekannte und manchmal recht quirlige 130jährige Hausgeist RoSa auf einen bisher nur an den Rändern ergrauten Archivar trifft, der dann mit einem Zylinder auf dem Kopf und einem grauen Pappkasten mit Unterlagen und Fakten aus der Geschichte Rosdorfs unter dem Arm auf die Bühne kommt. Wenn das nur gut geht.

Aber ehe man es sich versah, waren die beiden schon tief im Gespräch und in der Zeit um 1900 versunken – eine Phase der großen Modernisierungen für die mit knapp 1450 Einwohnern drittgrößte Ortschaft im Landkreis. Im Zentrum dieser Entwicklungen stand auch August Fiege (der Erste). In seinem Lokal trafen sich nämlich die Vorkämpfer für einen Bahnhof am Rande der Ortschaft. Und die Gruppe griff gemeinsam tief in die Tasche, denn schließlich mussten 30.000 Reichsmark Eigenbeteiligung aufgebracht werden für den neuen Haltepunkt. Wenn August Fiege zu den größten Nettoeinzahlern gehörte, so lag das sicher auch daran, dass sein Gasthaus unter den vier Rosdorfer Lokalen dem Bahnhof am nächsten lag. Dank der Bahnanbindung konnte der schlaue Gastwirt für größere Veranstaltungen jetzt sogar auf Göttinger Publikum setzen. Da ist es nur konsequent, dass auf den Bahnhof 1895 nur ein Jahr später ein Saal für etwa 600 Gäste hinter der Wirtschaft im Sellenfried 1 folgte. Natürlich gab es sofort elektrisches Licht, als 1897 die Turbine in der Untermühle ihren Betrieb aufnahm.

Nach so viel Informationen war es gut, dass die Rosdorfer Big Band TripleB erst einmal wieder die Regie übernahm. Die Gruppe hatte mit ihrem Dirigenten Nik Myers genau die passenden Stücke eingeübt, um uns in mehreren Blöcken auf eine beswingte Zeitreise quer durch die einzelnen Epochen der Saalgeschichte zu entführen.

Natürlich wollte RoSa auch gern wissen, wie es um die Konkurrenz zwischen den vier Rosdorfer Gaststätten bestellt war. Er selbst schien sich daran nicht erinnern zu können. Aber vielleicht lag das auch daran, dass die geschäftstüchtigen Wirte zusammen mit dem Gemeindevorstand eine salomonische Regel ersonnen hatten, die ihnen allen abwechselnd die Rechte an den großen Tanzveranstaltungen im Jahreslauf zusicherte. Und wenn weitere Rosdorfer Konzessionen beantragten, wurde das auf dem Verwaltungswege verhindert. Na sowas, man könnte das wohl als Kartell bezeichnen! Aber so weit wollen wir jetzt nicht gehen.

Gestärkt durch Kaffee und Kuchen und beschwingt durch einen weiteren Auftritt der Big Band ging es anschließend noch um die lokalen Vereine und ihre Saalnutzung, sei es als Turnsaal für den MTV, als Übungsraum für die Kunstradabteilung des Radfahrclubs ‚Adler‘ oder für zahlreiche festliche Auftritte von ‚Konkordia‘. Der Chor hatte schließlich bei Fiege sein Vereinslokal. Selbstverständlich fand auch die Kirmes immer wieder beim Festwirt Fiege statt, wie zahlreiche Plakate in der kleinen Ausstellung demonstrierten.

Plakat

Gegen Ende des Nachmittags kam es dann zu einem überraschenden Rollentausch. Denn plötzlich gingen die Fragen an Rosa und der Geist musste erzählen. Allerdings nicht aus der Vergangenheit, wie man vielleicht erwarten würde, sondern aus der unmittelbaren Gegenwart.  Denn zu der gibt es ja noch nichts im Archiv zu finden. Deshalb wollte der Archivar aus erster Hand erfahren, wie es denn gelungen sei, den Saal nach mehr als fünfzig Jahren wieder aus seinem Dornröschenschlaf zu holen. Gern hätte er in seinem Pappkasten Geschichten und vielleicht auch Dokumente und Fotos aus dieser neuen Epoche des Saals mit in sein Archiv genommen. Schließlich, meinte Gerhard Diehl zu dem erstaunten Geist, erzählen wir unsere Geschichte ganz wesentlich selbst, indem wir darüber mitentscheiden, was wir zukünftigen Generationen von uns überliefern wollen.