Vier Chöre, vier Klangwelten – und ganz viel Gefühl

von | 19,09,2026 | RoSa Festival | 0 Kommentare

Ich kam als Zuhörerin zum Chorfestival 2026 in den RoSa Fiege. Und obwohl ich selbst Musikerin bin und natürlich immer auch ein bisschen darauf achte, wie Stimmen miteinander klingen, wollte ich an diesem Abend vor allem eines: zuhören und mich überraschen lassen. Und das ist mir tatsächlich passiert. Vier Chöre aus Göttingen standen auf der Bühne – und jeder hatte seine ganz eigene musikalische Farbe mitgebracht. Für mich fühlte es sich ein bisschen an wie eine musikalische Reise, bei der ich nie genau wusste, was als Nächstes kommt.

Den Anfang machte das Vokalensemble I docici mit elf Sänger/Innen. Geistliche und weltliche Werke aus unterschiedlichen Epochen hatten sie im Gepäck. Was mich sofort angesprochen hat, war diese feinfühlige Auswahl der Stücke und die unglaubliche Präzision, mit der sie gesungen wurden. Ein Lied ist mir dabei ganz besonders im Gedächtnis geblieben: ein schwedisches Stück. Es wurde so kraftvoll und eindringlich gesungen, dass ich irgendwann das Gefühl hatte, nicht mehr einfach im Publikum zu sitzen. Ich war plötzlich mitten in dieser Geschichte. Genau solche Momente liebe ich an Musik.

Dann kam Rosalie – ein Frauenchor mit Herz. Und der Name war Programm. Schwungvolle Lieder, abwechslungsreiche Rhythmen und dazu Perkussion, Banjo und Klavier. Das brachte sofort eine ganz andere Stimmung in den Raum. Leichtigkeit, gute Laune und dieses Gefühl von: Jetzt darf es einfach Spaß machen.

Bei T-Sing wurde es dann richtig kraftvoll. Rock und Pop, jede Menge Energie und eine enorme Lebendigkeit. Jung, positiv und dynamisch – so kam der Chor auf mich zu. Und irgendwann musste ich feststellen: Ich singe mit. Das passiert mir als Zuhörerin nicht bei jedem Konzert. Aber wenn ein Chor es schafft, dass das Publikum einfach mitgeht, dann hat er für mich etwas richtig gemacht.

Und dann Soul Froot, ein  Pop- und Crossover Chor mit raffinierten Arrangements – und mit Songs, die es musikalisch wirklich in sich hatten. Was mich hier besonders beeindruckt hat, war dieses unglaublich gute Zusammenspiel der Sänger /innen. Da war so viel musikalische Aufmerksamkeit füreinander zu spüren. Die Stimmen waren nicht einfach nur nebeneinander, sondern wirklich miteinander. Der Soul ging mir direkt ins Herz. Nicht nur ein bisschen. Er hat mich tief berührt.

Wenn ich den Abend mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es wahrscheinlich Vielfalt. Vier Chöre, vier ganz unterschiedliche Arten, Musik zu machen und auf die Bühne zu bringen. Feinfühligkeit, Leichtigkeit, Power und Soul – alles hatte seinen Platz.

Und dann kam zum Schluss noch die Überraschung: Alle vier Chöre kamen gemeinsam auf die Bühne und sangen ein Abschlusslied. Für mich war das ein ganz besonderer Moment. Denn plötzlich waren es nicht mehr vier Chöre. Plötzlich waren da ganz viele Menschen und ganz viele Stimmen, die gemeinsam etwas entstehen ließen. Und genau da wurde für mich spürbar, was Musik kann: Sie kann Menschen verbinden. Sie kann aus vielen einzelnen Stimmen einen gemeinsamen Klang machen. Und vielleicht ist genau das einer der schönsten Gründe, warum wir Musik machen und warum wir ihr zuhören.

Ich bin auf jeden Fall wieder dabei, wenn es wieder heißt: Chorfestival im  RoSa Fiege.

 Text: Yvonne Bayer

Fotos: Ralf Lesjak, Ute Lesjak u.a.